ein perfider Gegner
eine Mutter
ein Neugeborenes
Kate Taylors Leben verwandelt sich in einen Albtraum, als sie frühmorgens zu Hause anstelle ihres drei Tage alten Sohnes ein fremdes Baby in der Wiege vorfindet.
Niemand glaubt ihr.
Sowohl ihr Ehemann, ein Kinderarzt, als auch die Polizei vermuten eine Wochenbettdepression. Von Selbstzweifeln geplagt, versorgt Kate wochenlang ihr vermeintliches Kind, mobilisiert schließlich ihre letzten Kräfte, und findet nach und nach die schreckliche Wahrheit heraus. Jetzt muss sie kämpfen, denn nun steht nicht nur ihr Leben auf dem Spiel,
sondern auch das eines Kindes ...
Leseprobe
Copyright © 2025 Ava Ballant
Sonntag | Tag 4
Das Wimmern wehte von irgendwoher in ihr Bewusstsein.
Warum reagierte sie nicht wie sonst?
Warum reagierte ihr Körper nicht wie sonst?
Sie wartete.
Das Wimmern wurde drängender. Das vertraute Ziehen in ihren Brüsten blieb jedoch aus.
Es musste am Fieber liegen.
Sie öffnete die Augen – versuchte es zumindest. Ihre Lider bewegten sich nicht – viel zu anstrengend.
Widerstrebend zog sie einen Arm unter der Decke hervor und berührte ihre Stirn – das Fieber war abgeklungen. Ihre Haut fühlte sich kalt und feucht an.
Irgendetwas stimmte nicht.
Kate öffnete die Augen.
Das änderte nichts. Es blieb dunkel und das Wimmern hielt an.
Träge drehte sie sich nach links – zu den beleuchteten Ziffern des Weckers. Sie hätte laut aufgestöhnt, wenn sie sich nicht fest vorgenommen hätte, das Dröhnen in ihrem Schädel zu ignorieren.
Halb sechs.
Es ging ihr besser – nicht gut, aber besser als gestern Abend. Sie würde aufstehen können. Das Baby brauchte sie. Wenn sie sich nur aufraffen könnte.
Die Müdigkeit war erdrückend, lähmend – unerbittlich.
Kate hangelte nach dem Schalter der Nachttischlampe. Der schwache Lichtschein traf sie wie ein Blitz. Jetzt stöhnte sie doch auf.
Sie schloss die Augen und versuchte, ihre Gedanken abzuschalten, während die Nervenzellen in ihrem Hirn um sich schossen.
Kein Wimmern mehr. Lautes Krähen.
Sie ballte die Hände zu Fäusten und presste sie an ihre Schläfen.
Es half.
Mühsam quälte sie sich hoch und stellte probeweise die Füße auf den Teppich. Sie wartete, bis der Schwindel abklang. Mit nachlassendem Schmerz gewann die Sehnsucht die Oberhand über die Lethargie. Gleich würde sie ihn an sich drücken. Ihn sehen, spüren, riechen – erleben. So wie in Zukunft jeden Tag.
Vor Jacobs Kinderzimmer blieb sie stehen und lauschte. Das Krähen war verklungen. Beruhigt hörte sie seine regelmäßigen Atemzüge, die manchmal von einem leisen Schnaufen unterbrochen wurden. Sie öffnete die angelehnte Tür. Im Zwielicht konnte Kate schemenhaft das kleine Wollschäfchen erkennen, das von dem Schirm der Korbwiege baumelte. Sie lächelte.
Kate bewegte sich leise auf die Wiege zu und betrachtete die Silhouette ihres drei Tage alten Sohnes. Sanft hob sie Jacob hoch, schmiegte ihn an die Schulter und vergrub ihr Gesicht in seinem Haarflaum.
Irgendetwas stimmte nicht.

